#103 - Ich zahl das

"Miete und Nebenkosten übernimmt mein Mann."

Eine Aussage, die mich persönlich immer wieder erstarren lässt. Frauen verlassen sich finanziell hauptsächlich auf ihren Mann/Freund. Eine Sache, von der ich schon immer wusste, ich würde es nicht tun. Ich würde mich nicht von einem Mann abhängig machen. Und ja, es ist eine gewisse Art von Abhängigkeit. Natürlich kann es sein, dass man vorübergehend eine finanzielle Stütze braucht. Und natürlich ist es leichter und vernünftiger den Freund zu fragen als ein Darlehen aufzunehmen. Und doch, das zu einem Dauerzustand werden zu lassen, würde mir nie in den Sinn kommen.

Natürlich kann ich mich hier hinstellen und große Töne spucken ohne Ahnung von tuten und blasen zu haben. Der Unterschied ist nämlich der: Ich habe kein Kind. Ich bin also nur für mich selber verantwortlich. Aber auch das gibt es oft. Der Mehrverdiener zahlt eben auch mehr.
Aber nicht bei uns. Ich bin Studentin und habe weniger als die Hälfte des Einkommens meines Freundes. Und trotzdem sind alle gemeinsamen Kosten gerecht aufgeteilt. Jeder zahlt genau die Hälfte. Ich bin ehrlich, ohne meine Eltern würde das nicht funktionieren. Aber meine Eltern sind nicht mein Partner.
Ich liebe meinen Freund und glaube daran, dass wir noch viele gemeinsame Jahre miteinander haben. Aber ganz ehrlich. Wenn es doch nicht mehr klappen würde, wüsste ich, ich könnte es ohne in schaffen. Sicherlich müsste ich mich verkleinern, würde weniger zum essen gehen, hätte nur noch ein Zimmer und lange nicht so viele technische Geräte. Aber ich weiß es ginge. Ich bin mit ihm zusammen, weil ich ihn mag und nicht die Dinge die er mir ermöglicht.



MAMA RUNS THE WORLD
Woher diese Einstellung kommt? Wahrscheinlich von meiner Mama, die mir immer sagte, ich solle mich niemals von jemandem Anhängig machen. Meine Mama arbeitete immer Vollzeit. Klar, die ersten drei Jahre war sie mit meiner Schwester und mir zu Hause. Doch dann ging es sofort wieder los. Sowohl meine Schwester als auch ich waren jeden Tag morgens von halb sieben bis Nachmittags um drei im Kindergarten. Und ja, wir hatten genug Zeit zusammen. Und das obwohl meine Mama den Haushalt schmiss und jeden Abend für meinen Papa frisch kochte.
Sobald die Kinder in die Schule gehen wird das etwas schwieriger. Da war es natürlich praktisch, dass mein Papa Nachtschichtler war. Er machte uns Frühstück vor und Mittagessen nach der Schule. Wir waren also nie alleine zu Hause. Aber darüber muss ich mir ja jetzt noch keine Gedanken machen.

I RUN THE WORLD
Ganz alleine ist das finanzielle nicht immer zu schaffen. Aber mich vollkommen auf jemanden zu verlassen, würde mir nicht in den Sinn kommen. Sicherlich auch irgendwo, weil Geld eben doch auch ein sehr heikles Thema ist. Und ich meine, dass es genug Leute gibt die nicht so viel haben und trotzdem alleine durch müssen. Es geht. Auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber ganz ehrlich, man kann auch gut Leben wenn man sich nicht ständig was kauft, wenn man nicht die größte Wohnung hat, wenn man nicht die neueste Technik hat.
Es geht auch nicht nur darum unabhängig zu sein. Was ist, wenn dem Partner etwas passiert? Wenn er krank wird? Ich für meinen Teil möchte für jede Situation abgesichert sein.
Ich glaube, es ist wichtig eine Balance zu finden. Zwischen sich darüber freuen was man hat und, wenn man denn möchte, versuchen mehr raus zu holen. Egal ob es darum geht einen weiteren Job auszuüben oder sich weiter zu bilden.


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10 Kritiken

  1. Ich bin stolz, stolz, stolz auf dich!!!!!

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  2. Ich finde dein Einstellung unglaublich toll und schließe mich der deshalb auch gerne an. Sehe es nämlich auch so wie du, denn nur weil man einen besser verdienenden Partner hat, muss man sich definitiv nicht von dem abhängig machen. Bleibe da lieber in diesem Punkt auch ,,für mich" und bleibe bei Gleichberechtigung in allen Punkten. :)


    Liebe Grüße
    jelaegbe.blogspot.de

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  3. Unabhängigkeit - was ist das überhaupt
    Wenn ihr jungen Frauen denkt, dass ihr unabhängig seid,nur weil ihr monatlich über ein eigenes Einkommen verfügen könnt, seid ihr nicht unabhängig, sondern abhängig von einem System. Einem System dass euch zwingt in eine Arbeit zu rennen, wo ihr unterm Strich nur eine Nummer seid, die jederzeit ausgetauscht werden kann (egal wie sehr euch euer Job Spaß macht und egal in welcher Position ihr seid)
    Wenn Unabhängigkeit für die meisten jungen Mädchen darin besteht, einen Job zu haben um laufende Kosten zu decken, dann kriegt ihr dafür aber keinen Orden.
    Unabhängigkeit besteht vielleicht darin, praktisch alleine dazustehen. Alleine Probleme zu bewältigen (ohne immer den sicheren Anker von Eltern zu haben) Alleine Problemlösungen zu finden, Alleine durch schwerwiegende Probleme durchzumüssen. Alleine Dinge zu entscheiden und alleine dafür eine Verantwortung zu tragen.
    Wenn du liebe Melanie, diese Dinge für dich alleine noch nie erlebt hast, dann schreib sowas nicht, dass es gehen könnte. Schreibe nicht darüber auf Dinge verzichten zu KÖNNEN wenn du es noch nicht musstest. Es ist ein feiner Unterschied, wenn man ALLEINE durch schwierige Zeiten schon durch musste und kämpfen musste, als nur darüber nachzudenken wie es sein KÖNNTE!
    Schreibe nicht über Unabhängigkeit ubd im nächsten Satz heißt es, dass du es ohne deine Eltern nicht schaffen könntest. Tu es nicht. Es ist eine Beleidigung für die Leser die es bereits müssen. Es ist eine Beleidigung für die Leser, die am eigenen Leib spüren müssen wie scheisse das ist. Ja, Unabhängigkeit kann sich extrem scheisse anfühlen. Aber es gehört zum Leben dazu! Sonst lernst du nichts über dich selbst und du kannst erst dann richtig auf dich stolz sein, wenn du diese schwierigen Lebenslagen alleine gemeistert hast.
    Auch hier, kannst du nicht in allen Situationen abgesichert sein! Weil das Leben dir kein Patentrezept an Sicherheiten bietet!

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    1. Ich musste erst einmal ein paar Tage über die Kommentare nachdenken. Weswegen ich diesmal etwas länger für die Antwort brauchte.
      In diesem Post schreibe ich nur über die finanzielle Unabhängigkeit. Nicht mehr. Ich bin eine privilegierte, weiße Frau aus dem Westen, gehöre zur Mittelschicht, musste (glücklicherweise) noch nie besonders schwere Zeiten durchstehen und bin gerade mal 22. Und aus genau dieser Sicht schreibe ich auch.
      Ich bin mir dessen bewusst, dass Unabhängigkeit sehr viel mehr ist. Unabhängigkeit definiert zudem jeder für sich anders. Natürlich haben auch wir beide nicht dieselbe Auffassung von Unabhängigkeit. Weil wir, sehr wahrscheinlich, in komplett anderen Lebenslagen sind. Aber genau das macht uns zu Individuen.
      Was meine Eltern angeht. Klar ginge es auch ohne sie. Das würde aber bedeuteten, dass ich mehr arbeiten oder sogar einen Kredit aufnehmen müsste. Da bin ich natürlich jeden Tag sehr dankbar und glücklich drüber, dass ich es leichter habe.
      Dieses Thema ist kein einfaches und bietet viel Diskussionsmöglichkeit. Und ist auch sicher nicht in einem einzigen Post einfach so abzuhandeln. Das hier sind einfach nur Teilgedanken einer jungen Erwachsenen.

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  4. Hat eine Frau so etwas schon durch und wird sie in ihrem Leben etwas älter, stellt man sich andere Lebensfragen.
    Man ist auch in einer anderen Lebenslage ob man will oder nicht. Man stellt sich die Frage nach Kinder automatisch. Entscheidet man sich dafür, plant man das nicht ohne den richtigen Partner. Solltest du diesen Partner gefunden haben, übernimmt man nicht mehr Verantwortung für sich selbst sondern man geht einen Schritt im Leben weiter. Man übernimmt Verantwortung für die Beziehung, für seinen Partner, eine Verantwortung für das kleine Lebewesen, man übernimmt ein Verantwortung für seine Eltern, für eine Familie. Wenn eine Frau sich in so einer Lebenslage befindet, gibt sie ihre heilige Unabhängigkeit an der Pforte ab. Der Mann übrigens genauso.
    Weil man ein Paar ist, meistert man ab sofort Probleme und das LEBEN gemeinsam . Man stellt sich nicht mehr die Frage, was passiert wenn meinem Partner was passiert. Und oh gott was mach ich, wenn morgen das Haus abbrennt. Die Aussage ist: ES IST EGAL WAS PASSIERT, WIR können das meistern. Daher schockt mich die Aussage überhaupt nicht, wenn der MANN Miete und Nebenkosten übernehmen sollte. Die Paare, die das für sich entschieden haben, sind in der Regel im Vertrauen so eng miteinander, dass es nicht darauf ankommt wer das übernimmt. Die Hauptsache ist, das Paar ist sich einig und geht einen gemeinsamen Weg. Jeder steht für den anderen ein ubd erst dann ist es möglich, eine Verantwortung für eine Familie zu übernehmen.
    Niemand verbietet Frauen in die Arbeit zu gehen. Niemand verbietet Frauen Geld zu verdienen. Kein vollwertiger Partner verbietet es einem eigenständige Entscheidungen zu treffen. Das ist Blödsinn. Junge Frauen werden in Deutschland hier zu nichts gezwungen. Sollten Sie mit ihrer Beziehung unzufrieden sein, müssen sie es selbst ändern. Wenn sie es nicht tun, selbst schuld! Naivität sieht man Frauen an!
    Habe ich aber eine Frau vor mir die glücklich und selbstbewusst vor mir steht und mit voller Überzeugung sagt, dass ihr MANN Miete und Nebenkosten übernimmt, werde ich die letzte sein die darüber geschockt sein wird.
    Es wird einen Grund haben warum die Frau das so für sich eigenständig entscheiden hat, es wird einen Grund haben, warum das Paar den Weg für sich so gewählt hat.
    Ich will dich, liebe Melanie, überhaupt nicht persönlich angreifen. Aber über deinen Blog liest man, dass du ein sehr junges Mädchen bist, eine tolle Familie hast und grade mal ausgezogen bist. Du bist erst auf dem Weg eigenständig im Leben zu stehen und DAS IST AUCH VÖLLIG IN ORDNUNG SO! Genieße deine Unbeschwertheit und deine Träume und hau drauf soviel man mit 22 oder 23 nur drauf hauen kann.
    Liebe Grüße
    Jäckson

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    1. Ich gebe dir absolut recht. Und "geschockt" ist sicher ein übertriebener Begriff. Und trotzdem ist das manchmal einfach eigenartig. Natürlich wäre es irgendwo Schwachsinn wenn das doppelte oder sogar dreifache verdient und trotzdem alle Kosten immer geteilt werden würden. Aber das sage ich auch nicht. Mir geht es um die fixen Kosten wie Miete, Internet, Strom, Heizung, etc. Mir persönlich ist das einfach wichtig, dass ich den selben Beitrag leiste wie mein Freund. Auch wenn das bedeutet, dass ich mir oft Dinge nicht kaufen kann und jeden Cent dreimal umdrehen muss. Aber das gibt nun mal eben mir das Gefühl, dass ich gleiches Recht habe über gewisse Dinge zu entscheiden wie er. Aber wie gesagt, dass ich einfach nur meine persönliche Meinung. Und bestimmt gibt es viele andere die das anders Handhaben.
      Wie es ist wenn ich verheiratet bin und/oder mit Kind? Darüber kann ich nichts sagen. Das liegt für mich noch in weiter ferne. Aber das habe ich im Text extra dazu geschrieben.
      Nochmal danke für die langen, ausführlichen Kommentare!

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  5. Das Thema sehe ich ganz genau so wie du. Ich finde es oft sehr schade, wenn ich
    in meinem Umfeld mitbekomme, wie schon längst gescheiterte Beziehungen immer
    noch nicht beendet werden, einzig und allein aus dem finanziellen Aspekt.
    Wenn die Frau (beispielsweise) trotz dessen, dass sie mit ihrem Mann todunglücklich ist,
    immer noch bei ihm bleibt, weil sie sich alleine nicht den hohen Lebensstandard leisten kann, den der Mann ihr ermöglicht..(wenn Kinder im Spiel sind, ist die Sache, wie du schon erwähnst hast, natürlich nochmal anders zu betrachten).
    Auch ich möchte mich später niemals in so eine Abhängigkeitsbeziehung begeben.
    Ich finde es immer wichtig, auch für sich allein stehen zu können.
    Ganz liebe Grüße
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de/

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    1. Genau darum ging es mir in meinem Text! Natürlich geht das auch anders herum. Gibt bestimmt auch genug Männer die sich von Frauen aushalten lassen. Was ich ebenfalls nicht gut finde.

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  6. Ich finde deine Einstellung zu diesem Thema super! Ich zahle auch gerne selbst, oder lade meinen Freund auch super gern mal ein! Ich finde eine Beziehung ist ein geben und nehmen. Wer sich nur nach dem Geld seines Partner orientiert oder nach den Geschenken die er einem macht ist bei mir unten durch. Wieso sollte ein Mann nur weil er mehr verdient mehr zahlen? Ist ja schließlich sein Geld für das er arbeitet.

    Viele liebe Grüße,
    Janika

    Yanikas Blog

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    1. Das denke ich mir auch oft. Klar ist man eine Einheit und klar gibt man dem Partner gerne was. Am Ende ist es aber doch so, dass die meisten nun mal eben mehr Arbeiten wenn sie mehr Geld verdienen. Und das natürlich auch wieder nicht in jedem Beruf. Siehe der soziale Bereich. Das ist dann wiederum etwas anderes.

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